Kultur

Österreichischer Architekt, der in den Gründungsjahren der Hauptstadt Ankara Spuren hinterlassen hat Clemens Holzmeister

Ankara, so wie wir es heute kennen, ist ein Kind des 20. Jahrhunderts. Mit der Erklärung  zur Hauptstadt der neuen türkischen Republik im Jahr 1923 verkörperte die Stadt den Aufbruch der Türkei in die Moderne. Neben seiner Rolle als Modell für den Modernierungsprozess, dem sich der neue Staat verschrieben hatte, bestand für Ankara die Notwendigkeit, die für die Funktion einer Hauptstadt notwendige Infrastruktur von Grund auf neu zu errichten.

Noch heute kann das in den jungen Jahren der Republik entstandene Ankara anhand des meist noch vorhandenen Baubestandes aus dieser Epoche nachvollzogen werden. Neben den von Ulus in südliche Richtung sich ausbreitenden Gebäuden spricht vor allem das Regierungsviertel Bakanlıklar mit seinen zahlreichen Ministerien der Zeit eine deutliche Sprache. Vom Parlament bis hin zum Generalstabsgebäude, von Botschaften in Çankaya bis hin zu Schulen in Sıhhiye und Cebeci, vom Hamam im Atatürk Orman Ciftliği bis hin zu Wasserfilteranlage, Gasfabrik oder einer Markthalle in Ulus zeugen über sechzig Gebäude, Denkmäler und Büsten vom großen Anteil von Architektinnen und Architekten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die an diesem Aufbruch beteiligt waren. Die prominentesten – gemessen auch an ihrer Rolle in Ankara – sind sicherlich Clemens Holzmeister, Ernst Egli und Bruno Taut, denen wir einen Großteil der Projekte in diesen Jahren zu verdanken haben.

Clemens Holzmeister

Clemens Holzmeister wurde am 27. März 1886 in Fulpmes/Österreich geboren.

Nach der Schulausbildung studierte er Architektur an der Technischen Hochschule in Wien. Danach arbeitete er als bis zu seiner Promotion 1919 als Lehrer an einer Staatsgewerbeschule und später als wissenschaftlicher Assistent. 1924 wurde er als Leiter der Meisterschule an die Wiener Akademie der Bildenden Künste berufen, an der er später auch als Professor wirkte, bis er 1938 wegen seiner zu modernen Architekturauffassung entlassen wurde. 1927 erfolgten die ersten Aufträge für die neu gegründete türkische Hauptstadt Ankara, wo Holzmeister unter anderem mit dem Bau von Ministerien und Militäreinrichtungen betraut wurde. Gleichzeitig, das heißt von 1928 bis 1933, hatte er ein Amt an der Düsseldorfer Kunstakademie inne.

In Zusammenhang mit der Ausdehnung des nationalsozialistischen Einflusses auf Österreich wurde Clemens Holzmeister 1938 aus der Wiener Akademie entlassen, woraufhin er in die Türkei emigrierte und 1940 an der Technischen Universität Istanbul zu lehren begann. In den folgenden Jahren pendelte er zwischen den Ländern Brasilien, Österreich und der Türkei, in denen er Aufträge realisierte. Obwohl er nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges rehabilitiert wurde, kehrte er erst 1954 nach Österreich zurück. Bis dahin widmete er sich der Lehre an der Technischen Universität Istanbul sowie dem Bau des türkischen Parlamentsgebäudes, das ihm unter den in Ankara tätigen Architekten eine Sonderstellung einräumte. Nach seiner Rückkehr war er Rektor an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. 1963 wurde er zum Ehrendoktor der Technischen Universität Istanbul und 1971 der Technischen Hochschule Wien ernannt. Clemens Holzmeister starb am 12. Juni 1983 in Hallein bei Salzburg. 2008 wurde eine Straße in Ankara nach ihm benannt.

Werke in Ankara:

Verteidigungsministerium, 1927–31, Generalstabsgebäude, 1929/30, Offizierskasino, 1930/31, Sitz des Staatspräsidenten, 1930/32, Innenministerium, 1930–34, Türkische Zentralbank, 1931–33, Vertrauens und Sicherheitsdenkmal (Entwurf), 1931–36, Bau- und Infrastrukturministerium , 1933/34, Revisionsgericht, 1933–35, Emlak Kredit-Bank , 1934/35, Ehemaliges Handelsministerium , 1934/35, Offiziersschule, 1935 Österreichische Botschaft , 1936, Gebäude des türkischen Parlaments, 1938–63

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