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Lasst Kinder Gemeinsam Lernen!

Im Schuljahr 2018/19 hat das Bildungsministerium mit einem neuen Gesetz sogenannte „Deutschförderklassen“ eingeführt. Kinder werden vor Schuleintritt getestet und müssen in eine Deutschklasse, wenn der Test „unzureichend“ ergibt. Viele fragen sich, warum ich gegen diese sogenannten „Deutschförderklassen“ eine Petion gestartet habe. Was ist so schlimm an den Deutschklassen? Da werden doch Kinder gefördert. Oder?

Ich möchte hier einige Gründe aufzählen, warum diese Klassen abgeschafft werden müssen, damit sie mit besseren Modellen ersetzt werden können.

Kinder werden ausgegrenzt

Wenn Kinder in der Volksschule in eine Deutschklasse kommen, dann verbringen sie 15 Stunden pro Woche getrennt von ihren „Stammklassen“. Sie dürfen nicht mit anderen Kindern gemeinsam lernen, sondern sitzen mit anderen Kindern, die den MIKA-D Test ebenfalls nicht geschafft haben, in einer Klasse. 

Beispiel:

Eine verzweifelte Mutter rief mich an und schickte mir diesen Screenshot. Während die Regelklasse als Gemeinschaft etwas macht, werden Kinder ausgegrenzt. Und Eltern sehen das und können sich nicht wehren.

Es geht hier nicht um das Verhalten der Lehrperson. Die Mutter betonte, dass ihnen auch die Hände gebunden sind. Sie würden es gern anders machen, können aber nicht. Und das glaube ich.  Kinder verlieren Schuljahre 

Ein Kind, das in der Deutschförderklasse ist, darf nicht in die nächste Schulstufe aufsteigen. Ich möchte das an zwei Beispielen erklären:

1) Mert geht in die Deutschklasse in der 1. Schulstufe. Am Ende des Schuljahres im Sommersemester wird er getestet und bekommt ein „unzureichend“. Das bedeutet, dass Mert im nächsten Schuljahr in der 1. Schulstufe bleibt und nochmal in die Deutschförderklasse gehen muss. Seine Freunde und Freundinnen in der „Stammklasse“ steigen auf. Er nicht.

Am Ende des 2. Schuljahres schafft Mert den Test wieder nicht. Mert muss im nächsten Schuljahr wieder in der 1. Schulstufe bleiben. Mert macht die 1. Schulstufe jetzt zum dritten Mal. Er ist schon acht, oder sogar neun Jahre alt und muss mit sechs jährigen Kindern in die Klasse gehen. Seine Freunde und Freundinnen sind jetzt schon in der 3. Klasse. Mert hängt noch in der 1. Klasse fest.

2) Zeynep geht in die Deutschklasse in der 1. Schulstufe. Am Ende des Schuljahres im Sommersemester wird sie getestet und bekommt ein „ausreichend“. Zeynep darf jetzt im nächsten Schuljahr in die „Stammklasse“, ABER sie muss in der ersten Schulstufe bleiben. Am Ende des Schuljahres in der Deutschklasse den MIKA-D Test zu bestehen heißt: das Kind darf im nächsten Schuljahr im ordentlichen Status dieselbe Schulstufe besuchen. Zeyneps Freunde und Freundinnen gehen jetzt in die 2. Klasse. Zeynep bleibt in der 1. Schulstufe.

Es gibt viele Kritikpunkte an diesen Klassen: 

• Der MIKA-D Test legt viel zu großen Wert auf Grammatik. Es werden außerdem nur mehrsprachige Kinder getestet. Nicht alle. Der Test ist viel zu schwer. Das ist diskriminierend und ausgrenzend.

• In der Klasse ist die Lehrperson das einzige Sprachvorbild. Kinder brauchen andere Kinder, mit denen sie spielen können und Sprechgelegenheiten haben.

• Der Stand der Wissenschaft ist: Sprachenförderung funktioniert am besten, wenn Kinder gemeinsam lernen und zusätzlich noch Unterricht erhalten. 

Warum ist dieses Gesetz überhaupt beschlossen worden?

Das österreichische Schulsystem ist veraltet. In den letzten Jahrzehnten hat sich Schule nicht grundlegend verändert, obwohl sich die Demographie in den letzten 60 Jahren sehr stark verändert hat. Heutzutage gibt es viel mehr Kinder, die mehrere Sprachen können. Das jetzige System ist aber nicht auf mehrsprachige Kinder vorbereitet, sondern schaut nur auf die deutsche Sprache. Mehrsprachige Kinder sind also ein Problem für das Schulsystem, weil Lehrpersonen und auch der Lehrplan sie nicht in ihrer Mehrsprachigkeit akzeptiert, sondern versucht, sie auf ihre Deutschkompetenzen zu reduzieren.

Was können wir machen?

Es ist wichtig, die Petition zu unterstützen und sie auch an Lehrpersonen zu schicken. Es haben schon über 2300 Lehrpersonen unterschrieben, weil auch sie erkennen, dass Deutschklassen Kinder ausgrenzen und Kinder dadurch Schuljahre verlieren. Viele trauen sich aber nicht, laute Kritik zu üben, weil sie Angst vor Konsequenzen haben. Es ist wichtig, dass sich Eltern und Lehrpersonen zusammenschließen und gemeinsam auf das Problem dieser Klassen aufmerksam machen. 

Ali Dönmez,B.SC. Sprachentwicklungsverzögerungen/-störungen (SEV)/(SES) Dyslalien Neurologische Sprech-, Sprach- und Schluckstörungen Therapien auch auf Türkisch

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