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Die neue Maske des Rassismus ist : ISLAMOPHOBIE

Der Begriff „Islamophobie“ wurde im letzten Jahrhundert des Öfteren verwendet und schaffte sich somit ein weites Gebiet. Welche Ängste des Westens haben diesen Begriff entstehen und verbreiten lassen? Was sind Ihrer Meinung nach die Hauptgründe?

Es gibt viele historische, religiös-ideologische, politische, wirtschaftliche, soziologisch-anthropologische, demografische und psychologische Gründe für diese Opposition. Unserer Meinung nach ist jedoch das Wichtigste, dass die Entscheidungsträger des Westens tatsächlich Angst vor dem Islam haben und dies eine 1400-jährige Vergangenheit hat. Als der Prophet (s.a.s.) als letzter Prophet gesandt wurde und der Islam sich schnell verbreitete, gerieten die Kirchenväter, insbesondere Mitglieder des Christentums, in Panik und verbreiteten Aussagen wie „Der Islam ist eine vom Christentum abweichende häresische Religion“, „Ismailiten-Hagarism-Sarazenen-Häretiker -Barbaren“. Diese und ähnliche Diskurse wurden von vielen Schriftstellern-Denkern-Orientalisten mit Nuancen wiederholt, die die Gedankencodes des Westens als „eine über Generationen weitergegebene Erbe“ bilden und wurden in theopolitische Projekte umgewandelt.

Xenophobie, also Fremdenfeindlichkeit, welches ein Oberbegriff der Islamfeindlichkeit ist, hat es eigentlich immer gegeben. Mit dem Ende des Kalten Krieges (90er-Jahre) wurde der Islam als neuer Feind des Westens betrachtet, welches dazu führte, dass für Islamophobie eine neue Phase begann und Islamophobie sich insbesondere nach dem 11. September in Anti-Islam und Islamfeindlichkeit verwandelte. Diese Feindseligkeit erscheint heute eher als „Rassismus – kultureller Rassismus“. Zudem wird auch wie in der Reformationszeit (nach dem 15. Jahrhundert) die „Türkenphobie- Türkenfeindlichkeit“ wieder in Erinnerung gerufen. Außerdem tauchte mit dem Sarkasmus des französischen Präsidenten Macron auch eine negative Einstellung gegenüber dem Propheten auf. Wenn man die Geschichte dieser Situation sich genauer anschaut, sieht man tatsächlich, dass Islamfeindlichkeit im Wesentlichen über den Koran und den Propheten durchgeführt wurde. In dieser Hinsicht wurden theopolitische Projekte ins Leben gerufen und die verbale sowie körperliche Gewalt gegen Muslime nahm zu.

Wie bereits erwähnt, hat das Thema viele Gründe: die Zunahme der Anzahl der Muslime im Westen, die Verbreitung von Konversionen zum Islam, der Aufstieg der extremen Linken und Rechten zur „neuen Normalität, Europas“, die Diskurse und Aktionen externer oder radikal integrierter Gruppen wie Daesh. Einer der Gründe für Macrons „Islam von Frankreich“ -Projekt und seinem letzten Sarkasmus ist auch, dass der Anzahl der Muslime im Frankreich -inoffiziell- mehr als 10 Millionen beträgt und jedes Jahr durchschnittlich 20.000 Menschen zum Islam konvertieren.

Angesichts der zunehmenden Einwanderungszahl im Westen in den letzten Jahren sehen wir, dass die Europäer sowohl individuell als auch sozial mit den Diskursen, die sie in der Vergangenheit über die „Kultur des Zusammenlebens“ entwickelt haben, konfrontiert werden. Was denken Sie, wohin geht der Westen in der Hinsicht hin?

Eigentlich existiert in der Geschichte im Westen die „Kultur des Zusammenlebens“ nicht. Obwohl in den letzten Jahren von befugten Personen angekündigt wurde, dass dem Multikulturalismus, welches von einigen Staaten angeeignet wurde, nach Ende der Arbeitsmigration (bis Kalter Krieg und 11. September) in dem Westen ein Ende gesetzt wurde, ist der Westen immer noch damit konfrontiert. Diese Konfrontation besteht eigentlich aus zwei Bereichen, auf der einen Seite „die Konfrontation von Europa mit dem Islam bzw. den Muslimen“ und auf der anderen Seite „die Konfrontation der Muslime mit Europa“. Besonders nach dem 11. September wurden Muslime als Bedrohung und als Gegenstand einer sicherheitsorientierten-assimillatorischen Politik angesehen, wobei Diskussionen über Themen wie „Freiheit“, „Multikulturalismus“, „Religion-Islam in der Öffentlichkeit“, „Einhaltung europäischer Normwerte“ geführt wurden bzw. noch geführt werden. Praktisch gesehen wurde eine kulturell-rassistische Doppelmoral- Politik eingeführt, indem die Juden und Christen von den Muslimen getrennt gehalten werden, welches für Muslime die Gefahr mit sich bringt, in die Position von den „Juden in der Hitlerzeit“ gedrängt zu werden. Auf der anderen Seite steht das Thema der Konfrontation der Muslime im Westen, das ein weiteres zu diskutierendes Thema darstellt.

In den letzten Jahren sehen und lesen wir auch Nachrichten über unmenschliche Angriffe auf Muslime. Wie spiegeln sich solche Aktionen im Westen wider? Hat sich eine Phobie gegenüber radikalen christlichen Gruppen entwickelt?

Es gibt fast keinen Tag, an dem nicht in einem Land im Westen ein Angriff auf eine Moschee, eine islamische Institution oder eine Muslima mit Kopftuch stattfindet. In diesem Zusammenhang ist es notwendig, sich an die Doppelmoral bei der männlichen Beschneidung, dem Halal-Schlachten, dem Kopftuch in Schulen und den Minarett-Adhan-Verboten zu erinnern. Darüber hinaus ist es in einigen Ländern wie Frankreich verpflichtend, Schweinefleisch in Kindergärten zu servieren und die Muslime schriftlich gegenüber dem französischen Staat zu verpflichten. Zudem werden den Kindern in der Gesamtschule Karikaturen vom Propheten gezeigt, die die Beleidigungen gegenüber dem Propheten normalisieren. Während bsp. Halal-Schlachtung und männliche Beschneidung eigentlich ein theologisches Thema für Juden und Muslime sind, sind Juden ausgenommen und für Muslime wird die Debatte auf der Grundlage der „Integration der Menschenrechte“ fortgesetzt.

Vor allem greifen politisch-starke Institutionen bei Beleidigungen und Anschlägen gegen Juden- und Christentum ein. Zudem werden sogenannte europäische Werte wie Meinungsfreiheit für Islam bzw. Muslime unbegrenzt und verantwortungslos als Doppelmoral und „Religionsfreiheit“ verwendet.

All dies hat einen negativen-radikalisierenden Wirkung auf die Sichtweise der Muslime in Europa auf den Westen und der Juden, Christen und Humanisten im Westen. Europa sollte jedoch nicht als eine Einheit betrachtet werden, denn es ist wichtig zu wissen, dass es sowohl unter jüdisch-christlichen als auch unter humanistischen Menschen, jene mit gesundem Verstand gibt.

Was sind unsere Pflichten, wenn wir die Zeiten, in denen Muslime durch islamfeindliche Angriffe und Nachrichten, die eine islamfeindliche Wahrnehmung schaffen, mental geschwächt werden, bedenken?

Diese Feindseligkeiten gegenüber dem Islam bzw. den Muslimen im Westen bieten den Muslimen eigentlich auch eine Chance. Es ist z. B. bekannt, dass nach dem 11. September die Anzahl der Konversionen zum Islam zugenommen hat und der Koran zu einem der meistgelesenen Bücher geworden ist. Angesichts dieser Negativitäten ist es daher wichtig, dass Muslime einladend „wieder zum Islam“ sind und mit einer guten „islamischen Repräsentation“ nicht reaktionär antworten. Dies ist auf zwei Arten möglich: Erstens sollten Grund und Zweck der Angriffe auf den Islam, den Koran und den Propheten in ihrer Gesamtheit richtig analysiert und die Antworten auf eine „prophetische“ Weise gegeben werden. Zweitens sollten Gelehrte, Denker, Akademiker und Schriftsteller der Umma ohne Feindseligkeiten der Menschheit den Islam, den Koran und den Propheten in der richtigen Art und Weise vorstellen. Wir wissen aus der Sunna des Propheten, dass er keine kategorische Feindschaft ankündigte, Hass nicht mit Hass wiedergab, auf Feindseligkeit nicht mit Feindseligkeit reagierte und wie im Koran angegeben, auf das Böse mit dem Guten reagierte, was bei der Konversion vieler Menschen zum Islam eine wichtige Rolle spielte.

Wie Arif Nihat Asya sagte: „Die Abū Lahabs sind nicht verstorben und die Abū Dschahls reisten und reisen von Kontinent zu Kontinent“. Unsere Aufgabe ist es sich Abū Lahabs und Abū Dschahls wie dem Propheten und Abū Bakr entgegenzutreten.

Prof. Dr. Özcan HIDIR

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