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Die Gefahr Des Modernen Zeitalters: Kinder Als Projekte Erziehen

Bedingungslose Liebe ist äußerst wichtig, damit der Mensch mit sich, mit Anderen und der Welt in Frieden leben kann. Es ist nur dann möglich andere zu lieben, wenn man sich selbst wirklich liebt.

AYŞE YILMAZ
Klinische Psychologin

Die leistungsorientierte Auferlegung des modernen Zeitalters hat bei einigen Eltern zur „Perfektionssyndrom“ geführt. Die Kinder der Mütter und Väter, die sich selber als „Supereltern“ bezeichnen, sind auch gezwungen „super“ zu sein.

Eltern, die in ihrer eigenen Kindheits- und Pubertätsphase mit einem System aufgewachsen sind, das von ihnen ohne Hinterfragung Gehorsamkeit erwartet hat, versuchen heutzutage, als würden sie sich revanchieren wollen, genau das Gegenteil zu machen. Den Platz der Prototyp-Eltern, die sich das Motto „Gehorche und sei in Frieden“ angeeignet hatten und bei Unterdrückungen zu schweigen als „Artigkeit“ bezeichneten, wurden durch Eltern ersetzt, die versuchen all das, was sie selber nicht ausleben konnten über ihre eigenen Kinder aufzuholen, über das Dasein ihrer Kinder zu existieren und sich darauf fokussieren „Kinder als Projekte“ zu erziehen. Diese Art der Erziehung ist vor allem unter gebildeten und wohlhabenden Familien zu einem Trend geworden. Hierbei werden die Vorlieben, die Fertigkeiten und das Temperament des Kindes beinahe gar nicht berücksichtigt, und dem Kind werden bestimmte Erwartungen zugemutet. Des Weiteren werden von diesen Kindern erwartet, dass sie sowohl Erfolg in der Schule zeigen als auch ihre künstlerischen und sportlichen Fähigkeiten einwandfrei verbessern. Jeder einzelne Lebensabschnitt dieser Kinder wird schon vor der Geburt geplant. Die „Supereltern“ entscheiden in Namen ihrer Kinder auf welche Schule sie gehen, mit wem sie sich anfreunden, wann sie lernen, wann sie schlafen, wann sie essen, wie sie sich ankleiden und wann sie sich mit ihren Freunden verabreden. Diesen Kindern werden alle Möglichkeiten, unter anderem auch Bildung, Komfort, teure Bekleidung und alle Art von Spielzeugen zur Verfügung gestellt. Die Kinder werden von einem Kurs zum anderen und von einer Veranstaltung zur nächsten auf Trab gehalten. Alles, was sich diese Kinder wünschen, werden ohne Wenn und Aber gekauft und sie verfügen über die besten Lebenschancen. Sie sehen perfekt aus und haben eine gute Erscheinung. Da diese Eltern ihre Pflichten gegenüber ihren Kindern „grandios“ geleistet haben, haben sie ein gutes Gewissen. Diese auch „Projektkinder“ genannten Kinder führen ihr Leben genauso wie im Aquarium lebenden Fische, die die Welt nur von außen betrachten und widmen sich nur der Anerkennung ihrer „Supereltern“. Sie glauben wie ihre Eltern daran, dass man ausschließlich im Rahmen guter Möglichkeiten an Glück gelangen kann und streben dies stets an. Außerdem glauben diese Kinder auch, dass sie von ihren Eltern nur dann geliebt werden, wenn sie ihren Erfolg aufrechterhalten (bedingte Liebe). Doch irgendwann verspüren sie eine große Leere in ihrer inneren Welt.

DOCH AN WAS MANGELT ES DEN KINDERN?

Liebe… Bedingungslose Liebe… Ein Bedürfnis, wofür man all sein Hab und Gut aufgeben könnte. Damit der Mensch mit sich, mit anderen und der Welt in Frieden leben kann, ist bedingungslose Liebe etwas äußerst Wichtiges. Es ist nur dann möglich andere zu lieben, wenn man sich selbst wirklich liebt.

Was sind dann demnach die Pflichten der Eltern?

Den Kindern einfach die Möglichkeit geben ihre Kindheit in Ruhe auszuleben. Sie sollen spielen, Spaß haben und genug von ihrer Kindheit bekommen. Denn diese Zeiten werden nie erneut eintreffen.

Mit den Kindern eine emotionale Bindung aufbauen, ihr Wesen lieben, uns selber die Möglichkeit geben, so zu sein, wie wir es wollen und den Kindern auch die Möglichkeit geben, so zu sein, wie sie es wollen.

Auf die Veranlagungen der Kinder achten und die Kinder nicht von ihrem eigenen Wesen trennen. Den Kindern nicht das Gefühl wie „Wenn du erfolgreich, fleißig, brav etc. bist, wirst du geliebt und akzeptiert.“ weitergeben. Den Kindern eher das Gefühl weitergegeben wie „Ich liebe dich so wie du bist und bin überglücklich, wenn du erfolgreich, gläubig etc. bist.“.

Den Kindern nichts gewähren, was sie nicht bedürfen. Sachen, die ohne jeglichen Bedarf gewährt werden, führen zu Verschwendungsneigungen und mit der Zeit auch zu Unzufriedenheit. Denn das man nicht alles besitzt, fördert wiederum die Fähigkeit mit schwierigen Situationen umzugehen.

Die Pflicht der Eltern ist es nicht den Kindern ein perfektes Leben zu ermöglichen. Denn Kinder werden dadurch gefördert, wenn man ihnen die Chance gibt, sowohl die positiven als auch die negativen Seiten des Lebens kennenzulernen, anstatt ihnen alles bereitzustellen.

Eltern sollten den Kindern übermitteln, dass das Glück darin liegt, mit dem was man besitzt sich zu begnügen und dafür dankbar zu sein. Eltern sollten den Kindern ihr eigenes Leben ausleben lassen, anstatt zu versuchen all das, was sie selber nicht erfahren konnten, wie ein Projekt, über ihre Kinder zu realisieren. Letztendlich sind Kinder keine Projekte und die Eltern sind nicht die Besitzer der Kinder, sondern nur deren Betreuer.

Diese auch „Projektkinder“ genannten Kinder widmen sich nur der Anerkennung ihrer „Supereltern“. Sie glauben daran, dass man ausschließlich im Rahmen guter Möglichkeiten an Glück gelangen kann. Doch irgendwann verspüren sie eine große Leere in ihrer inneren Welt.

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